|
City of Gold
Ein Projekt der besonderen Art oder ein wirkliches Pilotprojekt
„Herzlich Willkommen in dieser Woche, wir stehen euch zur Verfügung. Was ihr daraus macht entscheidet ihr selbst – nutzt diese wahrscheinlich einmalige Chance.“
So wurden die Schüler an einem Montag- morgen im Juni diesen Jahres im Ulmer ROXY empfangen. Das ROXY als Veranstaltungsort für Konzerte, Musik und Events im Ulmer Kulturleben, der ideale Ort für diese Woche.
Hauptschüler aus Ulm hatten die Möglichkeit eine Woche lang mit Schauspielern, Tänzern, Dramaturgen und Theaterpädagogen zum Thema Freundlichkeit zu arbeiten.
Es ging hierbei um eine ganze Palette an Themen für die Jugendlichen:
Toleranz, Selbstwahrnehmung, Empathie, Kreativität, Motivation, Gemeinschaftsgefühl und Verantwortung.
Dieses Projekt versteht sich als eine besondere Woche, in der sich die teilnehmenden SchülerInnen neu erleben dürfen und die Chance bekommen, neben den Schulstoffen und Prüfungen die sie das ganze Schuljahr über erleben und ablegen müssen, sich neu zu entdecken und sich als handlungsfähig zu erleben.
Der erste Schock dann gleich nach den freundlichen Begrüßungsworten:
die plötzliche Einteilung in verschiedene Gruppen. Die SchülerInnen ziehen eine Farbe („He ich hab Rosa! Bin ich schwul oder was.“) und wissen erst dann wer mit wem zusammenarbeiten wird. Ihnen wird ihre soziale Stellung innerhalb ihrer Klasse damit eventuell genommen und sie müssen sich überlegen wie sie damit nun umgehen. Von „Da komme ich nicht mehr!“ bis zu „Colle Gruppe!“ ist alles dabei.
Es geht hier darum ihnen die Möglichkeit zu geben, sich neu zu erleben, sich neu kennen zu lernen. Ob sie dies als Chance nehmen oder aber als Provokation empfinden, steht ihnen natürlich frei.
Sie spüren aber von Anfang an:
Hier geht es nur um sie und die Kursleiter sind für sie nach Ulm gekommen um mit Ihnen und ihren Ideen zu arbeiten.
Diese Woche arbeitet auf den Samstagvormittag hin. Am Samstag sollen die bis dahin umgesetzten und ausprobierten Ideen präsentiert werden. In der Innenstadt von Ulm werden Sie auf fremde Menschen treffen, werden Sie in Kontakt kommen und sich mit ihren Arbeitsergebnissen stellen.
Die Idee ist, dass Lernen zu lernen, dass meine Handlungen Folgen haben und dies durchaus auch im Positiven, dass es sich für mich lohnt mich ernst zu nehmen.
Ich gehe einfach einmal davon aus, dass diese Arbeit an sich selbst jedem Schüler gut täte – unabhängig von der besuchten Schulart. Da die HauptschülerInnen aber meist in Konkurrenz zu den Realschülern stehen, wenn es darum geht einen Ausbildungsplatz oder einen Praktikumsplatz zu bekommen und ihre Zeugnisse hier nicht ausreichen um die Konkurrenz auszustechen, können Sie nur mit ihrer Persönlichkeit und ihrem Einsatz Zusatzpunkte sammeln.Um dieses Selbstbewusstsein zu stärken, Ihnen den Glauben an sich selbst zurück zu geben oder zu stärken, darum dieses Projekt.

Was mich wirklich glücklich macht, sind die Reaktionen in der Innenstadt von Ulm. Ob es jetzt Geschäftsinhaber waren, Kinder und Familien, die in der Stadt unterwegs waren oder einfach Passanten – durch die sehr ansprechenden Flyer, die die SchülerInnen fleißig verteilten und das Projekt erklärten, die gelben T-Shirts die alle trugen, es gab eine tolles Bild ab. SchülerInnen, die nicht an der Woche teilnahmen, waren spätestens ab Mittwoch neidisch und hätten jetzt sehr gerne bei uns mitgemacht.
Den Mut der SchülerInnen am Samstagvormittag ihre kleinen Präsentationen vor völlig fremden Menschen zu zeigen, nötigt mir wirklichen Respekt ab. Die positiven Reaktionen am Samstag machte unsere Teilnehmer noch stolzer auf das, was sie hier erlebten. Der Druck der Präsentation am Samstag verhalf der Aktion zu einer sehr großen Ernsthaftigkeit bei den SchülerInnen.
Es war ein wirkliches Pilotprojekt und wird nun im Jahr 2011 seine Wiederholung erleben.
Sven Wisser
Projektleiter und Theaterintendant
|